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Die "Ausstellung"

















Erna die Künstlerin von Sillenbuch

Geboren am 11. März 1920 in Stuttgart



Ihr Vater arbeitete bei der Bahn- im Wohnzimmer hängt ein kleines schon sepiafarbenes
Foto von Erna mit schätzungsweise 5 Jahren und Ihren Eltern.
Der Vater in strammer Eisenbahneruniform. Irgendwann wird ihr Vater nach Calw versetzt wo Erna dann auch aufwächst.




Ernas Lieblingsblume ist der Rittersporn, den sie sich einmal im Jahr auch leistet. Den will ich auch am Grab haben sagt sie … aber zurück in die Gegenwart. Wir sitzen gemütlich im Wohnzimmer in Stuttgart Sillenbuch – Ruhe und Gemütlichkeit bei einem Glas Wein.
Ohne den Fernseher kann Erna nicht leben –  eine 87 jährige rüstige immer gut gelaunte Dame, die Ihre Lieblingsjacke trägt, die schon abgeliebt aber warm und herzlich wie ein Teddy aussieht. Selbst gestrickt- sie hat die ganzen Kinder und sich das Leben lang bestrickt. Sie deutet auf die Bilder. Friseurin wollte sie werden. Wie ihr Freund – ihre große Jugendliebe wie ich später erfahre. Der Vater hat es aber untersagt „De Leut aufm Kopf rummache“ – Erna spricht ein wundervolles schwäbisch. Dann wurde sie Dienstmädchen. Erna guckt mich scharf an „15 Mark !!! Und das war mein Unglück weil ich da meinen Mann kennengelernt habe. 15 Mark haben wir bekommen. Ich hatte Heimweh und habe geweint. Ich hätte bei den beiden Künstlerinnen den Absprung machen sollen. Wir sind ins Kino gegangen weil an den Wänden das Eis war !“ Dann kommt der Friseur wieder ins Spiel – ein fescher Kerl. Ja und Hitler war auch da. Wo frage ich. Na hier in Stuttgart- bei einem Militärkonzert. Da haben wir zwei Mädchen uns auf die Bank gesetzt – wie das halt früher so ging. Und wir haben uns dann auch verabredet. Mein Mann ist mir regelrecht hinterhergelaufen. Sogar ihr Vater sagte er käme nicht rein. Erna hat noch einen 3 Jahre jüngeren Bruder und eine „angenommene“ Schwester. Ihr Vater schmiedete dann mit das Schicksal von Erna: „ Entweder Du heiratest den Mann oder er muss gehen“. So kam es dann am 20.12. 1940 zu einer Kriegstrauung. Die Hochzeitsgeschenke: 1 Pfund Fleisch und 2 Handtücher. Erna kommentiert „Nix glernt nix ghätt. „Ich musste bei der Trauung schon unterschreiben dass die Kinder katholisch sind!“. „ Dem Friseur – Erna guckt verliebt in die Luft- habe ich noch lange Briefe geschrieben“ Vor sieben Jahren hat sie ihn das letzte mal gesehen. … „Ich trauer ihm heute noch nach“ sie holt unter dem blauen Sofakissen ein Taschentuch vor und putzt sich die Nase. Wir prosten uns zu …“ emanzipierte Frauen sind das heute!“ Sie erzählt von ihrer resoluten Tochter, deren Beziehungen und Ehekrisen. Moni und Uschi. Ach wissen sie sagt sie „Ich bin ein weicher Typ- mir geht alles nah“ wir lächeln uns an. Wir mochten uns eh vom ersten Augenblick an. „Kann ich weitermachen?“ ungeduldig ist sie auch die Dame. Strümpfe hat sie auch aufgemascht. 10 Pfennig hat sie bekommen für das Stück. „Ach“ schwärmt Erna von schönen Kleidern und schönen Hüten … immer superedel. Erna hat vom Edlen nichts verloren. Blau ist ihre Lieblingsfarbe. Katze ihr Lieblingstier. Bei Spanien reisst Erna die Augen freudestrahlend auf… sie träumt. Ja und wenn sie einen Wunsch freihätte … Erna träumt weiter … „Wenn Sie einen Wunsch freihätten….“ Ich hole sie aus Spanien zurück . „ Dass ich gesund bleibe – das ist das wichtigste“ „Wenn mein Mann wüsste dass ich noch lebe – der tät sich umbringe“ Seit 40 Jahren wohnt Erna in der Wohnung- manchmal ist es ein wenig kalt und zeigt auf den Kachelofen der die ganze Wohnung beheizt. Ihre Maultaschen werden vom örtlichen Kaminkehrer schon vorbestellt. Eine Woche später bekomme ich einen wundervollen Zwiebelkuchen. „Um acht steh ich auf und um 12 steht das Essen auf dem Tisch das ist doch richtig so.“ –sie sieht mich forsch an. Erna erzählt von ihrem fast tragisch endenden Bad in Spanien – wir hüpfen in den Themen aber es ist zu schön wie sie erzählt. Der Ludwig und die grüne Badekappe. Die grüne Badekappe hat ihr das Leben gerettet. „ Han i na grufe“ – kurz vor dem Ertrinken wohl. „ Da kriegt man ja an Zustand. Erna hab ich gedacht – jetzt ist aus“. Aber dann hat eine Freundin die Badekappe weit ab vom Strand gesehen und ist zur Rettung zu ihr geschwommen. Der Schwiegersohn hat die Geschichte etwas makaber mit einem „na wärst ja entsorgt gewesen“ kommentiert. Wir trinken entrüstet einen großen Schluck. Erna erzählt mir noch dass sie zeichnet- oder vielmehr gezeichnet hat. So steh ich also am kommenden Dienstag vor Ihrer Tür mit Block und Bleistift.  Wir schauen uns im Fernsehen die Paläste von Dubai an …. trinken spanischen Rotwein.

Das sind sie die Linien des Lebens ... gezeichnet von einer Geschichte.